Sichtbar sein

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Auf Twitter folge ich John Stepper schon seit einigen Jahren. Gestern konnte ich ihn in Essen live bei einem Vortrag erleben. Stepper ist ein Vordenker und hat eine Art Bewegung ins Leben gerufen, die sich „Working Out Loud“ nennt. Ihn beschäftigt die Frage, wie Menschen in ihrer Arbeit sinnvolle Beziehungen knüpfen können, wie echte und kreative Formen der Zusammenarbeit entstehen und wie Menschen sich bei der Arbeit wechselseitig bereichern und inspirieren können.

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Das sind keine neuen Themen. Stepper greift Überlegungen auf, die überall dort angestellt werden, wo über Arbeit 4.0, über soziale Netzwerke im Arbeitsumfeld und über zeitgemäßes Wissensmanagement nachgedacht wird. Interessant und inspirierend ist, das John Stepper sehr simple Operationalisierungen und Methoden entwickelt hat, anhand derer schon jetzt weltweit in vielen Organisationen Menschen lernen, einander zu zeigen, was sie gerade machen und womit sie sich beschäftigen. Im Kern geht es um ein äußerst simples Prinzip: Die eigene Arbeit sichtbar machen. Kommunizieren, was ich gerade tue. Working out loud. Nachzulesen und zu lernen ist all das in John Steppers gleichnamigen Buch. Konkrete Anleitungen stellt er aber auch kostenlos auf seiner Homepage bereit (workingoutloud.com).

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Mich persönlich hat vor allem die Haltung fasziniert, die seiner Sicht von Arbeit zugrunde liegt. Die allermeisten Menschen erleben ihre Arbeit dann als sinnvoll, wenn dadurch bedeutsame Beziehungen zu anderen Menschen, zu Kollegen und Kunden entstehen. Nur geschieht das selten von ganz allein, einfach so. Der beste Weg, diese Beziehungen und einen echten wechselseitigen Austausch mit anderen herzustellen, ist, ihnen zu erzählen, woran ich gerade arbeite, was mir durch den Kopf geht, wo ich nicht weiterkomme… Nichts anderes ist gemeint mit: Mache Deine Arbeit sichtbar!

Aber genau hier kommt die Frage der Haltung ins Spiel: Wechselseitigkeit und echte Beziehung entstehen nicht, wenn ich dem Kollegen etwas gebe (einen Kaffee, eine Information, ein Paper, Zeit…), um dadurch etwas Bestimmtes von ihm bekommen. Gefragt ist Großzügigkeit, absichtsloses Geben und zur Verfügungstellen meines Wissens und meiner persönlichen Leistungen. In den WOL-Gruppen übt man genau das ein.

Während Steppers gestrigem Vortrag schoß mir die Frage durch den Kopf: Wie kann ich das machen? Ich bin Berater. Ein Großteil meiner Arbeit gründet auf Vertraulichkeit und lebt davon, dass ich Dinge, die meine Kunden mir erzählen, für mich behalte. Ich kann darüber nicht so einfach mit anderen reden.

Das ist einer der Gründe, weswegen ich heute diesen Blog wieder fortführe, der über ein Jahr geruht hat. Ich kann nicht im Detail über meine Arbeit sprechen. Aber  ich möchte  anderen zur Verfügung stellen, womit ich mich beschäftige, welche Bücher ich lese, welche Gedanken mich umtreiben, welche Einsichten ich habe und welche Themen und Fragen ich wichtig finde… Ich habe auch deswegen zuletzt wenig geschrieben, weil ich den Anspruch hatte, meine Blogs müssten rund sein, ausgewogen, gut durchdacht und elegant geschrieben. Solcher Perfektionismus lähmt allerdings und lädt oftmals auch nicht zum Gespräch ein. Deswegen werde ich mich bemühen, ab jetzt mehr Unfertiges zu wagen, Fragen offen zu lassen, Bruchstücke zu bloggen und Fragmentarisches in die Welt zu setzen.

3 Kommentare

  1. Es ist schön, dass die wahrgenommene Leerstelle nun wieder mit guten, anregenden und weiterführenden Gedanken und Beiträgen gefüllt wird. Wir leben doch vor allem vom Fragment (auch in der Eucharistie) und nicht aus der Perfektion und dem Vollkommenen.

  2. Es ist schön, dass die wahrgenommene Leerstelle nun wieder mit guten, anregenden und weiterführenden Gedanken und Beiträgen gefüllt wird. Wir leben doch vor allem vom Fragment (auch in der Eucharistie) und nicht aus der Perfektion und dem Vollkommenen.

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