Persönlichkeit ist gefragt

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Sonntagvormittag, Akademie Schwerte, 40 Studierende verschiedener Fakultäten. Sie haben mich eingeladen, um mit ihnen zu „Macht – zwischen Allmacht und Ohnmacht“ zu arbeiten.

Ich entschließe mich, das gigantische Thema Macht aus verschiedenen Blickwinkeln zu beleuchten – philosophisch, psychologisch und theologisch.
Unsere Diskussion kreist dabei immer wieder um das Verhältnis von Macht und Führung. Wir sprechen über gelungene Führung und zukunftsweisende Führungsstile (Führung 2.0), aber auch die Gefahr des Machtmissbrauchs und über Narzissmus bei Führungskräften. Und vor allem kommen wir immer wieder auf die Persönlichkeit des Führenden zu sprechen.

Welche Art von Führung braucht die Zukunft?
Das managermagazin hat in seinem Juli-Heft einen großen Beitrag über Führungskräfte folgendermaßen getitelt: „Hauptsache authentisch“. Wie kann es gelingen, Macht zu haben (oder danach zu streben) und sich doch selbst treu zu bleiben, sich nicht zu verbiegen?

Auch mir gefällt die Idee der Authentizität. Aber ich wende ein: Auch Wladimir Putin oder Kim Jong-un sind auf ihre Weise authentisch und sich selbst treu.

Authentizität muss definiert werden. Richtig verstanden bedeutet sie: Persönlichkeit ist gefragt.

Ein Verständnis von Führung und Machtausübung, das Persönlichkeit in die Mitte rückt, schafft eine neue Balance in der Diskussion der letzten Jahrzehnte über effektive Führung: Also weder ein heroisches Führungsverständnis, das Führungserfolg im Kern auf außergewöhnliches persönliches Charisma zurückführt. Noch ein Führungshandeln, das sich in der simplen Aneignung einiger Kompetenzen und Fähigkeiten (skills) in einem Wochenendseminar erschöpft.

Gute Gestaltung von Macht und gelungene Führung sind eine Frage von Charakter und imagePersönlichkeit. Wie also die eigene Führungspersönlichkeit entwickeln?

So! Zehn Maximen, die gute Macht und Führung vor allem als Arbeit an sich selbst verstehen.* 

1. Eigene Macht und Ohnmacht verstehen
Ergründe, was Macht (oder Ohnmacht) für dich bedeutet. Lerne, automatische, reflexhafte Reaktionen im Blick auf Macht und Autorität(en) zu erkennen, zu verstehen und, wo nötig, zu überwinden.

2. Macht bejahen
Macht ist etwas Neutrales und kann gestaltet werden. Befreie dich von negativen Vorbehalten oder unrealistischen Ohnmachtsgefühlen. Sieh Macht als Gestaltungsmöglichkeit und als Chance, Gutes zu bewirken.

3. Zielen dienen
Macht ist kein Wert in sich. Überlege, welchen Zielen und Werten dein Handeln dient. Prüfe regelmäßig ehrlich und nüchtern deine Motive. Mühe dich um eine lautere Absicht. Steh zu deinen Überzeugungen, auch wenn das der Karriere schadet. Nachhaltigkeit ist wichtiger als Erfolg und zahlt sich langfristig aus.

 4. Die Wirklichkeit anerkennen
Akzeptiere die Wirklichkeit wie sie ist, nicht wie du sie haben möchten. Lerne zu unterscheiden, was in deiner Macht steht zu ändern – und was nicht.

 5. Zeige dich verantwortlich
Wer führt, übernimmt Verantwortung. Aber auch wer sich draußen hält, muss die Verantwortung dafür übernehmen. Stehe zu dem, was du denkst, sagst und tust. Handle im Einklang mit deinem Gewissen.

6. Gefahren und Dilemmata bejahen
Man kommt nicht um Ambivalenzen herum, erst recht nicht, wenn man Macht und Verantwortung übernimmt. Wer sich nicht die Hände dreckig machen will, macht sie sich erst recht dreckig. Man kann nicht als Jungfrau durchs Leben gehen. Beschäftige dich mit Ethik und Werten, damit du entscheiden kannst, was in einem Dilemma zu tun ist.

7. Persönlichkeitsbildung
Gelungene Machtgestaltung ist im Kern eine Frage von Persönlichkeit und Charakter. Deswegen: Pflege Innerlichkeit, Stille, Reflexion, Kontemplation. Rede mit weisen Menschen, lies kluge Bücher und denke – am besten selbst.

 8. Ego-Askese
Mach dich mit deinem Bedürfnis vertraut, anerkannt und geliebt zu werden. Das ist der beste Weg, den eigenen narzisstischen Anteilen nicht ausgeliefert zu sein und andere Menschen nicht für sich zu verzwecken und gar zu missbrauchen.

 9. Kommunizieren üben
Lerne das direkte und ehrliche Gespräch mit allen. Versuche, die Aussagen anderer eher zu retten als zu verurteilen. Kommuniziere respektvoll. Es kommt nicht nur auf das Was an, sondern auch auf das Wie. Versuche nicht, es allen recht zu machen.

10. Dienende Führung
Lerne, dich selbst und Deine Macht in der Perspektive des Dienstes zu sehen und daran Freude zu finden. Bemühe dich um echte Güte, Demut und Zärtlichkeit gegenüber dem Dasein.

* Die ein oder andere These ist formuliert in Anlehnung an Stefan Kiechles Thesen in seinem Buch Macht ausüben.

 

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