Elegant action

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In der vergangenen Woche habe ich an einem Workshop teilgenommen, in dem eine der Teilnehmerinnen wiederholt von „elegant action“ sprach. Für sie schien die Eleganz einer Handlung das wichtigste Kriterium für deren Richtigkeit zu sein. Ich bin nicht sicher, ob ich wirklich verstanden habe, was sie meinte, aber der Ausdruck elegant action geht mir seither nicht mehr aus dem Kopf.

Assoziationen gehen mir durch den Sinn. Etwa das berühmte Wort von Fjodor Dostojewski:

„Die Schönheit wird die Welt retten.“

Oder auch, dass die scholastische Philosophie vier sogenannte Transzendentalien kennt, also allgemeine Bestimmungen des Seins; es sind Einheit, Wahrheit, Gutheit, Schönheit. Damit wird gesagt: Wenn etwas wahr und gut ist, dann ist es auch schön. Oder: Das Schöne ist auch das Richtige und Sinnvolle. Ob etwas also richtig und gut ist, ist nicht allein eine Frage der Logik oder Ethik, sondern auch der Ästhetik.

Ich stelle mir vor, dass die Teilnehmerin des Workshops mit elegant action genau diesen Zusammenhang zum Ausdruck bringen wollte. Elegante Handlungen sind deswegen Tai Chieinleuchtend, weil sie klar, schön, schlicht – eben elegant – sind. Ihre Plausibilität drängt sich auf, weil sie einfach sind, ohne simpel zu sein. Eleganz meint hier nicht Prunk oder Reichtum, sondern eher gelungene Reduktion auf das Wesentliche und Verzicht auf Redundanz und Überflüssiges.  Elegant actions überzeugen, weil ihr Ursprung, ihre Motivation und ihr Ziel in in ihnen spürbar sind.

Der Psychologe Mihály Csíkszentmihályi hat einmal das Phänomen der sog. Flow-Zustände beschrieben. Das sind Zustände, in denen wir konzentriert, zielführend und fast mühelos arbeiten, in denen die Energie wie von selbst zu fließen scheint und Handlung und Bewusstsein verschmelzen. Die allermeisten Menschen kennen solche Momente, sie sind äußerst kreativ, erfüllend… und elegant.

Ich frage mich, wie unsere Arbeitswelt aussähe, wenn sie nicht vor allem nach Effizienz-, Kosten- und Nutzenkriterien, sondern auch nach Eleganzkriterien gestaltet würde. Könnte es nicht sein, dass elegantes Arbeiten und Wirtschaften letztendlich sogar effizienter ist? Am ehesten haben das bisher vielleicht die Marketing- und Brandingabteilungen der Unternehmen verstanden. Sie wissen: Was hässlich ist, lässt sich nicht verkaufen. Wie müssten wohl Arbeitsabläufe umgestaltet oder gar gänzlich neu gedacht werden, wenn etwa Organigramme, Prozessbeschreibungen, Powerpoint-Präsentationen und Business-Meetings mit einem Mal elegant, einfach, einleuchtend und klar sein müssten.

Elegant actions eines Papstes

papst-franziskusZum Schluss nun elegant actions noch einmal in einer ganz anderen Perspektive (die mich aber in meinem Blog immer wieder mal beschäftigt): Einer, dem elegante Handlungen ganz einfach und spontan von der Hand zu gehen scheinen, ist Papst Franziskus. Seine Handlungen, Ansprachen, Gesten sind deswegen elegant actions, weil sie einfach, zwingend, unmittelbar und selbsterklärend sind. Gerade angesichts der nicht selten überbordenden Last katholischer Liturgien, der Redundanz mancher Amtsträger und vertrackten Abgehobenheit ihrer Verlautbarungen vermittelt er damit etwas Befreiendes. Franziskus hat den Mut, Überflüssiges wegzulassen und so den Kern des Evangeliums freizulegen.

 

Ein Kommentar

  1. …erinnert mich sehr an das, was Humberto Maturana zum Begriff der ästhetischen Verführung sagt: „Der einzige Weg, der mir im Sinne der ästhetischen Verführung bleibt, ist es, ganz und gar der zu sein, der ich bin und keine Diskrepanz zwischen dem entstehen zu lassen, was ich tue und dem, was ich sage. Natürlich schließt das keineswegs aus, dass man bei einem Vortrag ein bisschen herumspringt und Theater spielt. Aber nicht, um zu überzeu- gen oder zu verführen, sondern um diejenigen Erfahrungen entstehen zu lassen, die das hervorbringen und sichtbar machen, von dem ich gerade spreche. Die Menschen, die mich in dieser Weise kennen lernen, können dann selbst entscheiden, ob sie das, was sie da vor sich sehen, akzeptieren möchten. Nur wenn keine Diskrepanz zwischen dem Ge- sagten und dem eigenen Handeln existiert, nur wenn man nichts vortäuscht und erzwin- gen will, nur dann kann sich die ästhetische Verführung entfalten. Die anderen Men- schen, die zuhören oder mitdiskutieren, fühlen sich dann auf eine Weise akzeptiert, die es ihnen erlaubt, sich selbst auch in einer unverstellten und daher für sie angenehmen Wei- se zu zeigen. Sie werden nicht attackiert, sie werden zu nichts gezwungen, sie können sich, wenn sich ein anderer nackt und ungeschützt zeigt, ebenfalls als diejenigen zeigen, die sie sind. Ein solcher Umgang ist stets auf eine respektvolle Weise verführerisch, weil alle Fragen und Ängste plötzlich legitim werden und sich ganz neue Möglichkeiten der Begegnung eröffnen.“ – Der Papst als ästhetischer Verführer…hm. Passt aber.

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